16.08.2011

Adobe EULA: Epic Fail

Niemand liest Lizenzvereinbarungen. Warum auch? Es steht nur juristischer Firlefanz drin, den kein Mensch versteht und der schon seine Richtigkeit haben wird. Außerdem: Ich will die Software ja benutzen, dann muss ich sowieso zustimmen, egal ob es mir passt oder nicht. Und manche Anbieter / Hersteller scheinen das auch auszunutzen und schummeln klammheimlich dann doch einige Passagen hinein, die Nutzern unangenehm aufstoßen können. Und die meisten Hersteller tun einiges dafür, dass die Lizenzvereinbarungen unangenehm und verwirrend daherkommen. Der Kunde soll diesen Vertrag gar nicht lesen, bevor er ihm zustimmt. Zum Beispeispiel bei Apple gehört es zum schlechten Ton, ganze PASSAGEN KOMPLETT IN VERSALIEN ZU SCHREIBEN, WEIL SIE SO ALS WICHTIG MARKIERT WERDEN. DER LESER HAT ZWAR DANN PROBLEME MIT DEM LESEN, ABER DAS IST JA EGAL, ODER?

Adobe geht einfach noch einen Schritt weiter, wie ich am aktuellen Flash-Player-Update zeigen möchte. Das Update an sich hat ein schönes Startfenster, in dem ganz unschuldig der kleine Haken zu setzen ist.

Startbildschirm Flash Updater

Dahinter das Versprechen, hier die Lizenz lesen zu können. Aber hier ist nicht hier sondern da irgendwo. Eine lange Liste, auf der ich die Lizenzverträge für einfach alle Adobe-Produkte lesen kann. Hier nur exemplarisch ein Auszug aus der seitenlangen Liste:

Übersicht Adobe EULA

Nachdem ich dann in dem Gewusel die Flash-Lizenz selber herausgesucht habe, die mich jetzt betrifft, lade ich ein – wer hätte es gedacht? – PDF-Dokument, dass sich im Webbrowser folgendermaßen darstellt:

Flash EULA erste Seite

So, und diesem 280 Seiten langen PDF darf ich jetzt nun den Teil mit der deutschen Sprache heraussuchen. Danke! Jetzt bin ich hochmotiviert, einen juristischen Vetrag zu lesen, was ich mit dem Flash-Plugin anstellen darf und was nicht. (Kleine Randnotiz: Dieses PDF wurde übrigens mit Microsoft Word erstellt.)

Jetzt fassen wir noch einmal kurz zusammen: Ein Softwareanbieter bietet seinen Kunden eine Software an. Diese Kunden müssen dazu einem Vertrag zustimmen. Und statt mir gleich den richtigen Vetragstext in meiner Sprache ordentlich lesbar anzubieten, verweist der Anbieter seinen Kunden auf eine Seite, wo er sich aus allen Lizenzveträgen in allen Sprachen bitte selber den für ihn passenden heraussuchen soll. Intelligente Nutzerführung und Kundenservice sieht nun wirklich anders aus! Gerade eine Firma, die mit Spezialsoftware für professionelle Gestalter ihr Geld verdient, sollte hier doch mit gutem Beispiel vorangehen!

Ein positives Beispiel sind übrigens die Darstellungen der Creative Commons Verträge: Es gibt eine Übersichtsseite, die die wichtigen Punkte klar und verständlich erklärt. Auf Klick kommt der Nutzer auf den juristisch formulierten Vertrag, der auch noch halbwegs lesbar gesetzt ist. Jetzt noch die Versalien durch gemischte Schreibweise mit einer sinnvollen Auszeichnung ersetzen und gut ist.

Simon Wehr
Superuser & Head of Presentation

… gestaltet Themen, die es wert sind, auch in Zukunft gesehen zu werden.

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