07.11.2012

Baumtötende Dekandenz beim Kaffeeklatsch

Ein kleiner Nachbericht von der Creative Paper Conference 2012

Die Creative Paper Conference wird von dem Designmagazin novum veranstaltet und ist eine Mischung aus Konferenz und Messe. Zwischen den Vorträgen können die Besucher ausgiebig die Händlerstände besuchen und bei der Gelegenheit ihre Musterkollektionen ergänzen und mit Herstellern und Händlern ins Gespräch kommen. Da wir den Auftritt der Wolf-Manufaktur konzipiert haben, war ich in einer Doppelrolle als Besucher und Botschafter des Druckveredlers anwesend. Und natürlich habe ich den feinen Messestand mit aufgebaut, über den wir im Portfolio ausführlicher berichten.

Iggesund-Roboter

Die Iggesund-Roboter-Bastelbogen nach einem Nachmittag Bastelfreude

Papier ist tot, es lebe das Papier!

Die Vorträge waren inhaltlich so gemischt, dass für jeden etwas dabei war: Theorie, Portfolio-Schau, Inspiration und Binsenweisheiten. Bei dem Thema kreativer Umgang mit Papier durften natürlich allgegenwärtige Versicherungen nicht fehlen, dass es noch nicht vorbei ist, mit dem Bedrucken toter Bäume. Dass ein Buchgestalter seinen Vortrag damit begann, erst einmal herzhaft über eBooks abzulästern (»machen sie da mal eine Stanzung auf den Titel«) passt ins Bild.

Und es stimmt: Ein schönes Papier, eine tolle Prägung, eine spannende Bindung – da kommen Websites und iPads nicht mit. Wollen sie aber auch gar nicht, das scheinen viele zu vergessen. Von daher hat die verschreckte Branche auch wiederum recht, wenn sie sich selber zuruft, dass das Zeitalter der Superluxus-Drucksachen (wieder) kommt und Drucksachen wieder wertvoll werden. Also: Supermarktprospekt aufs iPad, Tageszeitung auch und die schönsten Bücher und Geschäftsberichte mit auf die Couch.

Nachhaltige Dekadenz

Superluxus waren auch die Letterpress-Bierdeckel aus feinstem Gmund Cotton, die Boelling produziert und als Werbung ausgelegt hat. Auf so was ein Getränk abzustellen grenzt an Dekadenz. Aber im Rahmen der Veranstaltung passts scho, würde ich sagen.
Nachhaltig sind die Bierdeckel auf jeden Fall, da sie garantiert mehrfach verwendet werden. Moment, sind sie deshalb schon nachhaltig?

Bierdeckel Letterpress

In den meisten Vorträgen musste dieses Modewort auf jeden Fall immer untergebracht werden, ob’s passte oder nicht. Liebe Kollegen Designer hier wenigstens der Wikipedia-Artikel zu dem Wort Nachhaltigkeit.
Mal kurz am Rande: Die Mehrfachnutzung bestehender Stanzformen (o.ä.) ist gesunder Menschenverstand und eigentlich nicht der Rede wert. Etwas total aufwändig zu produzieren und dann zu argumentieren, es wäre nachhaltig, weil es nicht sofort im Müll landet … ohne Worte.
Also bitte: Schön auf dem Teppich bleiben. Nicht alles was ökonomisch sinnvoll ist, ohne sofort die Umwelt zu zerstören ist auchÖko-Design. Schon gar nicht, wenn Goldprägungen und UV-Lack im Spiel sind!

Sauerkraut, Kartoffelstampf und die Familie

Trotz aller Kritik, die Organisation war lobenswert, die Vorträge professionell, die Technik auch, das Essen original bairisch-deftig. Und was gibt es besseres, als streitbare Inhalte für die Pausengespräche? Die Stimmung war sehr familiär und mir hat es großen Spaß gemacht, mit alten und neuen Bekannten ins Gespräch zu kommen. Und ob Papier tot ist, oder jetzt erst richtig zu leben beginnt, können wir dann in zwei Jahren wieder diskutieren.

Auch schön: Ein kleiner Artikel und viele, viele Bilder bei slanted

Simon Wehr
Superuser & Head of Presentation

… gestaltet Themen, die es wert sind, auch in Zukunft gesehen zu werden.

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