28.09.2010

Gliedern oder nicht gliedern? Oder wie?

Jens schreibt uns gerade zu unserem aktuellen Useletter.
Er stört sich konkret an folgendem Abschnitt:

Auszug Useletter

Empfehlt den Leuten bitte ausschließlich die E.123-Notation!
Alles andere gibt nur massiv Probleme insbesondere wenn man unterwegs zum Kunden ist und mal fix auf deren Webseite die Telefonnummer nachgucken will. Das ist ein Albtraum wenn die nicht E.123 formatiert ist: dann schlagen auf allen Plattformen die Datadetektoren fehl und man kann sich mühsam die Nummer zusammenfrickeln.

Die E.123-Notation für internationale Rufnummern sieht folgendermaßen aus:

+49 6131 4825918

Die Vorwahlen werden nur mit Leerzeichen abgetrennt, Durchwahlen nicht gesondert abgesetzt.
Irgendjemand Die Internationale Fernmeldeunion hat das als einen Standard definiert, der daraufhin in die Computer einprogrammiert wurde. Smartphones, Mailprogramme etc. erkennen die Ziffernkette als Telefonnummer und übernehmen sie ins Adressbuch und dergleichen. Folglich macht der Mensch sich schnell unbeliebt, der diesen Standard nicht einhält, s.o.

Die Frage ist ohnehin, ob es nicht ausreicht, eine nationale Rufnummer anzugeben. Die schicke, weil jetsetmäßig weltgewandte internationale Schreibweise ist nur für entsprechend international arbeitende Menschen sinnvoll. Und siehe da, die E.123-Notation sieht auch folgende Schreibweise für nationale Rufnummern vor:

(06131) 48259 18

Vorwahl in Klammern, wenn sie nicht immer gewählt wird. Bei Bedarf Gliederung mit Leerzeichen.
Hm, damit wäre die Lesbarkeit für Software wieder beim Teufel, gell?

Und um jetzt noch mehr Verwirrung zu stiften, gibt es natürlich auch noch DIN 5008 und andere Schreibweisen. Einen weitgehend praktizierten Standard gibt es bisher nicht.

Sollen wir weiter machen?

In unserem kleinen Schlauberger-Spickzettel haben wir uns zu Kontonummern ebenfalls geäußert. Auch hier gilt: Ich schreibe lieber für Menschen, als für Maschinen. Die von uns empfohlene Gliederung erleichtert mir das Abtippen einer Kontonummer vom Rechnugsbrief. Sie erschwert mir jedoch das übernehmen via Kopieren und Einfügen aus einer Mail in mein Online-Banking-Formular.

Ja was denn nun?

Typografische Regeln stammen aus einer Zeit, in der Menschen Information in Form von Schrift erfassen mussten. Daher sind alle Regeln darauf ausgelegt, dem Menschen das Lesen so einfach wie möglich zu machen. Das ist bis heute so und die Regeln haben daher bestand. Maschinen benötigen diese Hilfen nicht. Für Maschinen benötigen wir nicht einmal Buchstaben, Maschinen können ja auch Barcodes und QR-Codes lesen.

Trotzdem leben wir in einer Zeit, in der wir ständig zwischen maschineller und menschlicher Informationsverarbeitung wechseln. Ein gewisses Entgegenkommen der maschinellen Verarbeitung gegenüber erscheint angebracht.

Also alles Gedruckte gliedern, alles Digitale nicht?
Das könnte ein Kompromiss sein. Aber es gibt nach wie vor extrem viele Menschen, die auf einer Website die Telefonnummer lesen und von Hand in Ihr Telefon tippen. Und diese Menschen sind sicherlich mit einer leicht erfassbaren Nummer besser beraten.

Die perfekte Lösung gibt es derzeit noch nicht. Es bleibt also jedem selber überlassen, wie und wo man welche Form verwendet. Ich als Mensch kann die untergliederte Telefonnummer besser erfassen. Ich möchte nicht rückständig wirken, aber ich formatiere lieber für Menschen, als für Maschinen. Sollen doch die Maschinen dazulernen, dafür haben wir sie.

PS: Den entsprechenden Abschnitt im Useletter haben wir zumindest für die Telefonnummern angepasst:

Useletter 07-2010 aktualisiert
Simon Wehr
Superuser & Head of Presentation

… gestaltet Themen, die es wert sind, auch in Zukunft gesehen zu werden.

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