02.10.2012

IndyFont und wie man es elegant einsetzt

IndyFont im einsatz

Es gibt immer wieder mal die Situation, da möchte man in einen Textfluss ein Zeichen einbauen, das die Schrift gar nicht besitzt. Eine Checkbox, zum Beispiel. Die lässt sich meist noch aus einer anderen Schrift setzen. Aber es kann auch interessant sein, eine andere Grafik in den Text einzubinden. Dazu bietet InDesign die Möglichkeit, Grafiken direkt in den Text zu verankern. Wer damit schon einmal gearbeitet hat, weiß, dass dies nicht immer mit Freude und Genugtuung verbuden ist. (Es ist ein mittlerer Krampf um ganz ehrlich zu sein.) Aber: Das Script IndyFont kann hier eine große Hilfe sein.

Seit einer Weile schon geistert dieses InDesign-Script durchs Netz, mit dem sich eine Vektorgrafik als Schrift mit einem Zeichen abspeichern lässt. Geschrieben hat es Theunis de Jong und hier könnt Ihr es kostenfrei laden. Ralf Herrmann hat auf Typografie.info erklärt, wie ihr das Script bedient. Mir sind aber beim Lesen noch Ideen gekommen, wie ich das Script elegant einsetzen kann. Deshalb habe ich hier eine Schrift-Für-Schritt-Anleitung verfasst, wie ich mir einen sinnvollen Einsatz vorstellen könnte.

1. Schrift erstellen

Vorbereitungen

  • Das Script muss geladen und installiert sein, klar.
  • Eine geeignete Vektorgrafik liegt vor. Diese muss eine einfache, geschlossene Fläche sein (keine Gruppe o.ä. – Der Pathfinder hilf hier im Zweifelsfall weiter). Als Füllfarbe muss das Farbfeld schwarz zugewiesen sein, sonst funktioniert das Script nicht.

Das Script einsetzen

Jetzt rufe ich das Script in der Scriptpalette per Doppelklick auf. Das Script zeigt mir den folgenden Dialog, in dem ich einen Schriftnamen vergeben kann und – ganz wichtig – eine Zeichenposition für meine neue Schrift definiere. Im Tab Identification lassen sich noch weitere Metadaten einstellen.

Screenshot vom Scriptdialog

Nach Klick auf OK erstellt das Script ein neues Dokument mit zwei Seiten.

Seitenasicht IndyFont

Auf der zweiten Seite füge ich nun meine Vektorgrafik ein. Wichtig: Sie muss schwarz gefüllt sein und auf der Ebene Outline liegen, sonst funktioniert das Script nicht. Die rechten und linken Seitenränder stellen die Begrenzungen des Zeichens dar, die rote Hilfslinie markiert die Grundlinie. Die Grafik sollte also ruhig formatfüllend skaliert werden.

Jetzt rufe ich das Script erneut auf und mein neuer Einzeichenfont wird erstellt. Wenn ich den Font in den InDesign-Fonts-Ordner speichere, steht er auch nur hier zur Verfügung. Die neue Schrift kann ich nun sofort einsetzen. Sie erhält die Vorsilbe »iF« vor den zuvor gewählten Namen. Die vom Script erstellte Datei kann ich nun schließen oder ändern und den Font erneut erstellen.

2. Die Schrift im Einsatz

Schrift anwenden – Basics

Meine neue Schrift kann ich jetzt über die Zeichenpalette auswählen und einsetzen. Besonders elegant geht dies, in dem ich ein Zeichenformat anlege und dort das Zeichen nach eigenen Wünschen skaliere, einfärbe etc. Dieses Zeichenformat kann ich nun bequem zuweisen und später jederzeit anpassen. Es bietet sich an, meinen Einzeichen-Font als Bulletpoint einzusetzen, und so kann ich ein Absatzformat für Aufzählungen definieren, das mein Zeichenformat einsetzt.

Screenshot vom Absatzformat

Jetzt kommt der »Fun-Part«

Auch wenn IndyFont jeweils nur ein Zeichen pro Font verwendet, so kann ich beliebig viele dieser Fonts erstellen und je ein anderes Zeichen zuweisen. Im oben gezeigten Dokument habe ich folgende Zeichen in je einer Schrift eingesetzt.

IndyFont Übersicht über erstellte Schriften

Die Grafiken sind bewusst auf unterschiedliche Zeichen codiert, die im geplanten Text sicher nicht vorkommen. (Das muss man vorher überprüfen.) Jedes Zeichen erhält ein eigenes Zeichenformat, das die entsprechende Schrift definiert und skaliert, einfärbt, etc. Im Absatzformat lege ich einen GREP-Stil an, der genau diese speziellen Zeichen aufgreift und ihnen das entsprechende Zeichenformat zuweist.

Screenshot der GREP-Absatzformate

Die einzelnen Anwendungen noch einmal im Überblick:

Anwendung 01
  • Zeichen • für Bulletpoint wird per Absatzformat für Aufzählungen eingesetzt. Das Zeichen lässt sich außerdem an beliebiger Stelle im Text platzieren.
  • Das Logo lässt sich direkt im Text einsetzen (obwohl selten sinnvoll). Das Logo wird automatisch eingesetzt, sobald das Zeichen Í vorkommt.
Anwendung 02
  • Zwischen dem Zitat und der Person wird ein ” geschrieben. Der Grep-Stil macht daraus die graue Sprechblase.
  • Zwischen zwei Absätzen wird wieder der Bulletpoint eingefügt.
  • Ein Trennelement wird aus dem \ erzeugt. So lassen sich Abschnitte mit einfachen Mitteln visuell Trennen. Die Vektorgrafik ist so angelegt, dass sie sich nahtlos aneinanderfügt. Nach Belieben kann hier natürlich wieder der • eingefügt werden.
Anwendung 03
  • Zum Schluss kommt als # die Checkbox zum Einsatz.

Das Beispiel, das ich hier zeige ist natürlich hochgradig konstruiert, aber es ging mir darum, Möglichkeiten aufzuzeigen, diese Zeichen bequem einzusetzen. Und Ich weise gerne noch einmal darauf hin: Ich habe genau zwei Absatzformate eingesetzt. Eins für den Fließtext und eins für die Aufzählung. Keines der Zeichenformate wurde von Hand zugewiesen, was spätere Änderungen vollkommen flexibel möglich macht. Der benötigte Text ließe sich wohl notfalls noch mit Siri diktieren oder zumindest per Texteditor verfassen. Die erforderlichen Zeichen könnte ich per Suchen/Ersetzen auch automatisiert in das Manuskript einbauen (lassen).
Sind diese ganzen Regeln und Zeichen einmal eingesetzt, lassen sie sich schnell und einfach anwenden, z.B. wenn man ein monatliches Magazin setzen will, wo wenig Zeit für einzelne Layoutschritte ist, oder bestimmte Elemente imText immer wieder auftauchen sollen.

Simon Wehr
Superuser & Head of Presentation

… gestaltet Themen, die es wert sind, auch in Zukunft gesehen zu werden.

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