31.01.2018

❧ Notizbücher im Trend oder im Gegentrend?

Warum wir sie lieben und sie so schnell nicht abgeben werden.

Warum wir sie lieben und beschreiben. Sie können viele Dinge jenseits der reinen, rationalen Informationsspeicherung. Das Sortiment an Notizbüchern in den Papeterien ist mittlerweile in einer derart hochwertigen Qualität, von der wir vor 10 Jahren noch geträumt haben. Hervorragend im Design, perfekt in der Materialauswahl und sehr aufwändig verarbeitet, mit vielen liebevollen Details. Und das ausgerechnet in einer Zeit, wo doch alles so wunderbar glatt und digital ist. Wo wir alles teilen, posten und von überall aus auf alle Informationen Zugriff brauchen …

Was genau macht ein Notizbuch so besonders?

Ein gutes Notizbuch ist strahlend schön. Am besten auch biegsam, ein flexibles Buch für flexible Ideen und Gedanken. Ein Buch, dass ich alleine besitzen und gestalten kann. Im Gegensatz zu einer Notiz App, kann es kein Fremder updaten, umorganisieren und plötzlich schaut es ganz anders aus. Ja, das ist mir wichtig.
Denn ich merke mir viele Dinge, die das große Bild wieder in meinem Kopf zeichnen können. Zum Beispiel: Die Skizze war auf der rechten Seite des Buches, etwa in der Mitte. Ausserdem habe ich sie in das rote Notizbuch geschrieben, das habe ich benutzt, als ich in Darmstadt gelebt habe. Denn ich erinnere mich an das Bild, wie es dort auf dem kleinen Tisch mit der Eichenplatte liegt. Sofort weiß ich auch wieder, was mich in der Zeit noch alles bewegt hat. Neben dieser Skizze das kleine Porträt auf der Seite … Nur fünf Striche … Und mir fällt ein, dass es schon fast 20 Jahre her sein muss …

Ein gutes Notizbuch hat einen Schatullencharakter

Das macht es so wertvoll. Dafür gibt es hinten die Froschtasche. Und im ganzen Buch gibt es die vielen Gelegenheiten, Kassenbons, Farbmusterkarten, Visitenkarten, Flyer und Kekskrümel zu bewahren. Fotos, Visitenkarten, Postkarten, und was man eben so findet.
Ich kann es benutzen, wie ich will. Mischtechnik: Schreiben, Zeichnen, Markieren mit Eselsohren, mit Kaffeeflecken oder mit Edding oder Punkten. Seiten heraustrennen, wenn schnell etwas verschwinden muss … oder Text durchstreichen und in alle Richtungen blättern und schreiben.

Die Haptik

Aus Karton, Papier oder Stoff, ganz subtil kann mir das Buch in der Hand schmeicheln.

Offenes Papier

Zum Schreiben und Zeichnen. Am besten in einem Farbton der mich in der Sonne nicht blendet.
Blanco, als Kalender oder mit Lineatur? – Für mich am liebsten Blanco.

Fadenheftung

Als gelernte Handbuchbinderin geht der Blick beim Öffnen tief in den Falz. Bücher mit Fadenheftung lassen sich im Gegensatz zu klebegebundenen Büchern viel besser öffnen, wenn ich das Buch wirklich benutzen möchte, dann muss es fadengeheftet sein.

Zeichenband

So einfach, ein Band vom Rücken, über den Kopf in die Seiten. Für Ordnung und Schönheit.

Wozu braucht man heute noch ein Notizbuch?

Die Sehnsucht nach Haptik und Materialität in Zeiten, wo wir alle unsere Informationen digital sammeln, teilen und tauschen ist enorm. Die Suche nach dem, was wir anfassen können, was wir individuell benutzen können ist groß. Noch nie wurden so viele und so hochwertige Notizbücher produziert wie heute. Hoffen wir, dass sie mit genau soviel Inspiration gefüllt werden, und nicht selbst zum Markenzeichen für Kreativität und Inspiration werden. Und es funktioniert sogar ganz ohne Strom.

Lena Weissweiler
Chief Inspiration Officer

… möchte den nächsten Generationen nicht ein völliges Chaos hinterlassen, und räumt ihren Schreibtisch trotzdem nicht auf.

Lesen Sie auch

03.05.2022
Netzwerk

Podium: Gründung des Unternehmensnetzwerks Klimaschutz

Weiterlesen
13.04.2022
Editorial Design

Sensibilisieren und Motivieren – mit gutem Design

Weiterlesen
30.03.2022
Haltung

Vortrag: Nachhaltiges Kommunikationsdesign

Weiterlesen
Zur Artikelübersicht