25.10.2017

Warum der Herbst perfekt gestaltet ist

Die Natur ist verschwenderisch – vor allem im Herbst. Tausende von Blättern flattern durch die Stadt, belegen Straßen und Wege, beleuchten den rauchgrauen Asphalt und rascheln sanft, wenn wir durch sie hindurch stapfen. Und jedes einzelne Blatt besticht im richtigen Moment durch seine sinnstiftende Schönheit.

Die Natur ist verschwenderisch – vor allem im Herbst
Tausende von Blättern flattern durch die Stadt, belegen Straßen und Wege, beleuchten den rauchgrauen Asphalt und rascheln sanft, wenn wir durch sie hindurch stapfen. Und jedes einzelne Blatt besticht im richtigen Moment durch seine sinnstiftende Schönheit. Die Natur ist wild, mischt Farben, von denen wir gelernt haben, dass sie gar nicht zueinander passen, nach Herzenslust und nimmt überhaupt gar keine Rücksicht auf das, was in den Lehrbüchern über Gestaltung steht. Wenn wir ganz genau hinsehen, entdecken wir mehr Farben als wir jemals benennen können.
Goldgelb, Purpur, Hellgelb, Apfelrot, Sonnengelb, Weinrot, Cognacfarben, Feuerrot, Lindgrün, Honiggelb, Apfelgrün, Olivgrün, Lederbraun, Dunkelrot, Rhodamine, Hellgrün, Dunkelbraun, Akaziengelb, Aubergine, Terracotta, Kaminrot, Goldorange, Limettengrün, Koralle, Kastaniebraun, Mahagoni, Umbra, Abendrot …

Doch was genau macht die Faszination aus?
Diese Vielfalt zu sortieren, zu ordnen und zu strukturieren – ein Ding der Unmöglichkeit. Das Spiel von Farbe und Form gestaltet der Herbst alleine, indem er opulent alles verteilt, was er hat. Kein Vergleich zu einer zarten Primel im Frühling. Und er hilft uns, die Stadt ganz neu zu entdecken. Überall liegen Laubhaufen und die grauen Straßen verschwinden unter dem vielen Gelb. Er bricht unsere Sehgewohnheiten und zeigt uns ein ganz neues Bild unserer Umgebung. Opulent in Szene gesetzt, nur einen Quant entfernt von Romantik, Kitsch & Co. Und falls wir mal kurz vergessen, dass wir mitten im Herbst sind, pfeift der Wind uns um die Ohren und durchlüftet uns bis ins Herz. Mit seinen flachen rötlich-gelben Sonnenstrahlen setzt er noch einen drauf und beleuchtet die farbige Szene wie einen alten Spielfilm.

Es muss ein fabelhafter Designer gewesen sein, der den Herbst gestaltet hat

Überall schöpft er aus dem Vollen – ganz ohne Angst vor Verlusten, und dass uns ein grauer, karger Winter bevorsteht. Ganz wie Leo Lionnis Frederik, der den ganzen Sommer damit verbringt die Farben zu sammeln, um seinen Freunden von der Vielfalt und der Schönheit der Erde zu erzählen, während der Winter sehr kalt und sehr grau ist und die Mäuse hungern.

Wir haben etwa 20 Blätter ausgesucht, haben sie ganz genau inspiziert, und lassen sie überwintern in einem alten Buch über Typografie.

Komplimentärkontrast – ganz zart

Farbe ganz satt

Vorsicht Laub!

Verspielt

Eine kleine romantische Geschichte

Möge der Herbst euch inspirieren, erfreut euch an den Farben, der Fülle, saugt alles auf und nährt euch davon, wenn die Nächte lang und die kurzen Tage mehr grau als licht sind. Der der den Herbst gestaltet hat, war ein wunderbarer Designer. Er wusste, dass wir jetzt so starke Eindrücke brauchen, damit wir sie den ganzen Winter hindurch in unserem Geiste abrufen können.

Inszenierte Typografie

Lena Weissweiler
Chief Inspiration Officer

… möchte den nächsten Generationen nicht ein völliges Chaos hinterlassen, und räumt ihren Schreibtisch trotzdem nicht auf.

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