Wehr & Weissweiler – Erfolgsfaktor Design

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Schoppe statt Karosse – wie wär’s?

12.09.2017Simon Wehr

Am Freitag, 15. September findet in Mainz der PARK(ing) Day statt, aber dazu später.

In Mainz tobt gerade eine heftige Debatte über den Bibelturm des Mainzer Gutenberg-Museums. Ein Projekt, das wir von Anfang an begrüßt haben! Nun hat sich eine bunte Mischung an Bürgern (und Wutbürgern) zusammengetan und sammelt Unterschriften, um das bereits in öffentlichen Prozessen verabschiedete Projekt noch irgendwie zu torpedieren.
Die Gegner des Museumsanbaus haben munter verschiedene Argumente zusammentragen, um Stimmung gegen den Bibelturm zu machen. Es gibt durchaus berechtigte Fragen zu dem Entwurf, zum Beispiel ob das Verhältnis von umbautem Raum zu nutzbarer Ausstellungsfläche wirklich optimal getroffen wurde. Doch um möglichst viele Unterschriften zu bekommen, punkten sie mit zwei Reizthemen: Weckwoschtundwoi und mein Freund der Baum. Hauptgrund vieler Bürger, um gegen die moderne Architektur zu unterschreiben:

a) Hier werden drei Platanen gefällt – ein Umweltverbrechen!
b) Die machen den Platz weg, auf dem wir unseren Wein trinken und unsere Wurst essen wollen!

Wenn bei einem Bauprojekt große Bäume abgesägt werden, ist das schade. Jedesmal wieder! Da gibt es nichts zu rütteln. Doch sind dies nicht die ersten Bäume und werden auch nicht die letzten Bäume sein, die für Bauten und Bücher gefällt werden – jeder Bundesbürger verbraucht ca. 1,3 m³ Holz im Jahr – da kommen schnell einige Platanen zusammen.

Der besagte Platz war komplett als Baugrund fürs Gutenberg-Museum reserviert, der Turm wird nur einen kleinen Teil beanspruchen. Die knapp 130 Quadratmeter, die wir an dem Platz verlieren gebe ich gerne ans Gutenberg-Museum, bedenken wir einfach mal die Wichtigkeit, die diese Erfindung für unsere Welt hat! Als Typograf kann ich nicht anders. Jeder Mensch, der Lesen und Schreiben kann, müsste eigentlich bereit sein, ein wenig mehr Stadtfläche an dieses Museum abzugeben. Jedes einzelne Buch in unseren Regalen geht letztlich auf das zurück, was in diesem Museum ausgestellt und geehrt wird. Dafür rücke ich beim Schoppetrinken auch noch ein wenig zusammen.

Ich könnte lange über Wert und Wertschätzung von Gutenbergs Erfindung und über moderne Architektur in alten Städten schreiben, auch darüber, ob Museen lieb und gefällig aussehen müssen.

Hier ein Vorschlag zur Güte:

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Wir nehmen ein Paar Autos aus der Stadt, wandeln die freien Parkplätze in Parkanlagen um, pflanzen dort Hecken und Bäume, schaffen Raum zum Verweilen und Austauschen, Luft zum Atmen und dergleichen mehr. Den Autoverkehr reduzieren wir deutlich (müssen wir eh), stellen bei dem Rest den Antrieb auf umweltverträgliche Energie um. So erreichen wir weit mehr für den Schutz der Natur, als drei einzelne Bäume gegen die Erweiterung eines der ältesten Druck- und Schriftmuseen der Welt aufzuwiegen.

Verrückt? Einfach mal ausprobieren! Das ist die Idee des internationalen PARK[ing] Days, der am Freitag, 15. September in Mainz stattfindet. Bereits 2005 (da war das »traditionelle« Markfrühstück gerade mal sechs Jahre alt) wurde diese Idee in den USA umgesetzt. Und nun verwandelt eine kleine Gruppe Mainzerinnen und Mainzer zum zweiten Mal ein paar Auto-Abstellflächen in Menschen-Begegnungsräume. Ich fand es beim letzten Mal so fein, dass ich dieses Jahr aktiv dabei bin. Direkt vor der Mainzer Weinraumwohnung – da fehlen doch nur noch Weck und Woscht, oder? Und da können wir alle miteinander diskutieren, in welcher Stadt wir leben wollen und welche städtischen Flächen für welche Nutzungen eingesetzt werden sollen. Ich freu mich drauf!

Am Freitag, 15. September findet in Mainz der PARK(ing) Day statt. Kommt vorbei!

Weitere Informationen bei Fahr’ Rad Mainz und die Facebook-Veranstaltung

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